Das Krankenhaus

 

Allgemein:

Das Krankenhaus in Chak-e-Wardak wurde 1989 gegründet, damals ursprünglich nur als eine Nothilfestation im dortigen Wasserkraftwerk.Mittlerweile hat es sich zu einer großen und für die Provinz unentbehrlichen Einrichtung entwickelt, die jedes Jahr etwa 100.000 Patienten behandelt. Es verfügt über 60 Betten sowie unterschiedliche Fachabteilungen und ist täglich (in Notfällen auch nachts) für Patienten geöffnet. Die Behandlung ist dabei - ermöglicht durch Spenden (wie z.B. vom Gymnasium Oberhaching) - komplett kostenlos, da sich die extrem arme Bevölkerung in diesem Gebiet eine Behandlung ansonsten nicht leisten könnte.

Lage:

Das Krankenhaus liegt im Westen Afghanistans in der Provinz Chak-e-Wardak in einem hoch gelegenem Tal (2400 Meter).
Es ist etwa 65 Kilometer von der Hauptstadt Kabul entfernt, was in dieser Gegend aufgrund der schlechten Infrastruktur in der Regel eine Fahrt von ca. drei Stunden bedeutet.

Das Krankenhaus von oben

Patienten:

Bis jetzt wurden etwa eine Million Patienten im Krankenhaus behandelt. Die meisten Patienten leiden unter Malaria, Atemwegserkrankungen, Unterernährung, Durchfallerkrankungen oder Infektionen. Dazu kommen noch viele Kriegs- und Unfallverletzte sowie Geburtenbetreuungen. Alle Patienten werden vor Ihrer Behandlung medizinisch geschult, Mütter erhalten eine spezielle Mutter/Kind-Gesundheitsberatung. Auf diese Art und Weise leistet das Krankenhaus auch präventive Maßnahmen. Stationäre Patienten können eine begrenzte Anzahl an Angehörigen mitbringen. Diese werden dann für Hilfsarbeiten herangezogen.

Mitarbeiter:

Das Team des Krankenhauses ist – bis auf Karla Schefter – ausschließlich afghanisch und zählt momentan etwa 75 Mitglieder (etwa die Hälfte medizinisches-, die andere Hälfte allgemeines Personal).
Zum medizinischen Personal gehören: mehrere Internisten, ein Chirurg, ein orthopädischer Chirurg, eine Gynäkologin, eine Zahnärztin, mehrere Hebammen (die auch Krankenschwestern sind), Krankenschwestern und Pfleger, Impf- und Röntgenfachkräfte, medizinische Hilfskräfte sowie Gesundheitserzieher, Pharmazeuten und Laboranten.
Zum allgemeinen Personal gehören: Bäcker, Köche, Wäscher, Fahrer, Wächter und Verwaltungskräfte. Darüber hinaus gibt es eine Kontaktstelle in Peshawar, Pakistan.

Alltag im Hospital:

Das Krankenhaus verfügt mittlerweile über eine Verwaltungsabteilung, eine Küche und Bäckerei, eine Wäscherei, ein Materiallager, ein Ausbildungszentrum für Frauen und Wohnanlagen für Mitarbeiter und Angehörige. Die Versorgung mit Strom und Wärme wird durch das nahe gelegene Wasserkraftwerk, drei Dieselgeneratoren und eine Verbrennungsanlage sichergestellt. Das medizinische Material importieren die Ärzte aus Pakistan oder kaufen es in Kabul ein, Nahrungsmittel und Treibstoffe werden vor Ort beschafft. Zum Kommunizieren werden hauptsächlich Mobiltelefone benutzt; Internet gibt es dort nicht.

 

Ab dem ersten Hahnenschrei: Tagesablauf im Hospital -

Hilfe von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang und „rund um die Uhr“


In einem überwiegend islamischen Land orientiert sich der Tageslauf an dessen Gebets- sowie den Jahreszeiten. Bei Sonnenaufgang (also im Sommer früher) steht man auf, macht die rituelle Waschung und begibt sich zum Gebet. Dann gibt es Tee mit trockenem Fladenbrot vom Tag zuvor.

Auch die Patienten machen sich nach ihrem Gebet auf den Weg und treffen zu unterschiedlichen Zeiten ein: zu Fuß, auf Eseln, in Schubkarren oder auch mit Sammeltaxis. Unser Hospital liegt auf einer gebirgigen und weitläfigen Hochebene in 2.400 Meter über Normalnull. (Kabul, die nächste Stadt, ist drei Autostunden entfernt.) Beispielsweise für Frauen in der Geburtsphase wäre es nicht möglich, rechtzeitig im Krankenhaus anzukommen, deshalb gibt es relativ viele Hausgeburten. Aber: Jede 10. Frau stirbt bedingt durch Schwangerschaft oder Geburt, da bei Komplikationen in den Bergen keine Hilfe möglich ist.
Für die ambulanten Patienten ist die erste Anlaufstelle das Ticketoffice. (Notfälle kommen direkt zum Notfallraum, bei Bedarf werden sie direkt weitergeleitet zur stationären Aufnahme!) Das Ticket „gegen ein kleines Entgelt“ enthält die Behandlungsnummer und verpflichtet zur Teilnahme an einer Gesundheits- und Hygieneschulung. Sie ist für Frauen und Männer getrennt und hat jeden Tag einen anderen Schwerpunkt, beispielsweise:

  • Bei Durchfallerkrankungen (Hauptursache der Kindersterblichkeit) rasch das Hospital aufsuchen.
  • Die Wichtigkeit des Impfens.
  • Bei Hausgeburten beim Abnabeln das Messer zuvor durch eine Flamme ziehen (Sterilisation).

Mit bestätigter Teilnahme kann der Patient den Arzt konsultieren. Nach dessen Untersuchung werden ggf. weitere Diagnoseschritte, wie Röntgen, Labor etc. angeordnet. Nach der abgeschlossenen Befundung folgt die Medikation in der Hospitalapotheke. Stationäre Patienten werden mit Begleitpersonen aufgenommen, die die Grundpflege leisten. Die medizinische Versorgung erfolgt durch das Hospitalpersonal. Behandlung und Verpflegung sind frei. Als Gegenleistung werden die Begleitpersonen zu anstehenden Arbeiten eingeteilt (Holz spalten, Lieferungen abladen, putzen). Das Essen wird von Küche und Bäckerei zugeteilt.

Auf den Stationen beginnt der Tagesablauf mit der Visite der Ärzte und des Pflegepersonals. Anschließend gehen die Ärzte in die Ambulanzen. Wenn ein operativer Eingriff erforderlich ist, werden sterile Wäsche- und Instrumentensets bereitgestellt. Wäsche und Instrumente werden in Autoklaven sterilisiert. Weil das Hospital keine Blutbank hat, werden Begleitpersonen, nach Blutgruppenbestimmung, um ihre Blutspende zur direkten Transfusion ersucht.
Die Mittagspause und das Essen des Personals erfolgen, wenn die ambulanten Patienten versorgt sind. Nach dem Essen gibt es eine Teepause, die mit der rituellen Waschung und dem Mittagsgebet endet. Danach geht die Arbeit mit eventuell noch ausstehenden Befundungen, resp. der Versorgung von Neuankömmlingen weiter.
Nach der regulären Dienstzeit sowie über Nacht und an Wochenenden hat ein Team, einschließlich Hebamme, Bereitschaftsdienst.

Die Hygienische Grundorganisation: Die Arbeitskleidung für das Personal wird gestellt. Es erfolgt eine tägliche Wisch- und Scheuerreinigung. Die Müllentsorgung erfolgt per Verbrennungsanlage, wie sie sich für Drittweltländer bewährt hat. Der Inhalt der Toiletten wird zunächst in einem „septic tank“ aufgefangen und gelegentlich in spezielle Tankfahrzeuges abgepumpt und entsorgt.

Die Trinkwasserversorgung für den gesamten Hospitalkomplex erfolgt über unseren vor vielen Jahren gebohrten 50m-Tiefbrunnen mit Pumpstation.

Die Energieversorgung erfolgt z. T. durch Solarenergie. Sie sorgt für Heißwasser im Kreissaal, in der Küche, im OP und im Notfallraum (per Solarkollektoren) und betreibt die Tiefkühltruhe im Labor für Impfstoffe und Laborproben (per Fotovoltaik). Ohne unsere Dieselgeneratoren, die von 9.00 bis 22.00 Uhr laufen, können Tiefbrunnen, Röntgengerät, Sterilisationsapparat, Ultraschall, Computer etc. nicht betrieben werden. Die Küche arbeitet (leider) nach wie vor mit Holz.

(aus dem Informationsbrief Herbst 2017 des Afghanistan-Komitées CPHA e.V.)

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